Archive for Juli 2007

Vor dem Wind

25. Juli 2007

Es gibt Spiele, auf die ist sogar ein Neuling im Bereich der Spielerezensenten wie ich gespannt. „Vor dem Wind“ ist so ein Spiel. Denn da wäre zum einen die Tatsache, dass dieses Spiel aus dem Verlag „Phalanx Games“ stammt. Diese haben – leider – mit „Anasazi“ 2006 einen ziemlich großen Flop gelandet: Die eigentlich innovative Idee mit den Pappstreifen wurde von den Spielern nur als „nerviges Gefummel“ aufgefasst. Manche gingen sogar so weit, dass sie das Spiel als unspielbar bezeichneten. Der andere Grund, warum ich auf dieses Spiel gespannt war, ist der, dass es die Erstveröffentlichung eines neuen Autors ist. Und bei Debüts möchte man schon gerne schauen, was der „Neuling“ da so abgeliefert hat.

Das Hauptmaterial dieses Spiels sind Karten, Karten, Karten – insgesamt 286 Stück. Dazu kommen für jeden der 2 – 4 Spieler eine Lagertafel aus Pappe und ein schlichter schwarzer Pöppel – der Startspielerstein – ist auch noch da ( und natürlich auch eine Regel, immer hab ich die vergessen… ). Alles in einer kleinen, kompakten Schachtel verpackt, also ein ideales Reisespiel.

Die Karten, die übrigens wunderschön von Frank „Czarné“ Czarnetzki illustriert wurden, unterscheiden sich in Guldenkarten in den Werten 1,2,5 und 10, Warenkarten ( Käse, Seide, Äpfel und Gewürze ) und Schiffskarten, die je nach Größe 1 – 4 Warenkombinationen verlangen und dementsprechend unterschiedlich viele Siegpunkte hergeben. Den größten Teil der Karten machen aber die Aktionskarten aus, die die unterschiedlichen Abläufe eines Schiffshändlers thematisieren: Einkauf, Einlagerung und Verschiffung/Einkommen. Nachdem jeder etwas Gulden, Waren und ein Warenlager genommen hat und je nach Spieleranzahl unterschiedlich viele Schiffe als Flotte ausgelegt wurden, eröffnet der Startspieler das Spiel. Er nimmt von den 3 unterschiedlichen Aktionskartenstapeln so viele Karten, wie Spieler teilnehmen, jedoch nicht mehr als 2 vom gleichen Stapel und von mindestens 2 verschiedenen Stapeln. Hat er das getan, sucht er sich eine Karte aus und legt sie vor sich ab. Die anderen Spieler suchen sich entweder eine andere Karte aus, oder machen dem Startspieler ein Kaufangebot. Dieses kann entweder angenommen werden, dann kriegt der andere Spieler die Aktionskarte und gibt den Betrag an den Startspieler, oder der Startspieler behält die Aktionskarte, muss dann aber den angebotenen Betrag an den bietenden Spieler zahlen. Hat jeder Spieler entweder Geld oder eine Aktionskarte, folgt die Auswertung. Bei einer Einkaufskarte erhält der Spieler die abgebildeten Waren und nimmt diese auf die Hand, bei einer Einlagerungskarte darf der Spieler die angegebene Anzahl Waren für die angegebene Anzahl an Gulden in sein Warenlager legen und bei einer Verschiffung/Einkommenskarte darf sich der Spieler, wenn er die passende Warenkombination im Lager hat, das entsprechende Schiff nehmen und entweder umdrehen, um die Siegpunkte zu kassieren, oder auf den Ablagestapel legen und den angegebenen Geldbetrag nehmen.

Zusätzlich wird das Ganze noch durch Aktionskarten aufgepeppt, bei denen man zum Beispiel Waren zu einem bestimmten Betrag direkt in sein Lager einlagern darf, ohne den „Umweg“ über die Hand zu machen, oder Waren im Lager mit den Handkarten oder mit Karten aus gegnerischen Lagern tauschen darf, usw.

Wenn nur noch 2 Schiffe in der Flotte ausliegen, wandern diese auf den Ablagestapel. Dem schließt sich der pfiffige Prozess der „Verderbung“ an.: Alle Warenkarten auf der Hand müssen abgegeben werden, im Lager verderben alle Äpfel und die Hälfte der Gewürze und Käse. Abschließend wird wieder wie zu Spielbeginn eine neue Flotte ausgelegt und ein neuer Durchgang beginnt. Dies geht so lange, bis ein Spieler 50 ( bzw. bei 2 Spielern 60 ) Siegpunkte erreicht hat.

Schade, schade, schade… Da kommt das Spiel sogar mit innovativen Mechanismen, wie 3 verschiedenen Arten von Aktionskarten, deren Verhandlung und der Verrottung von Waren daher – und dennoch hat es Schwächen. Gravierende Schwächen. Darunter zählt nicht nur die Tatsache, dass es entgegen einer Abbildung in der Spielregel NICHT möglich ist, die Warenkarten AUF das Warenlager zu legen. Viel schlimmer ist die sehr geringe Chance, mit wenig Geld im Spiel zu bleiben, weil ein strategischer Aufbau des Spiels ohne das nötige Geld nicht möglich ist. Dazu kommt ein gewisser Startspielervorteil und der Glücksfaktor beim Aufdecken der Karten. Diese Komponenten ziehen das Spiel in ermüdender Weise unnötig in die Länge. All das macht das Spiel gerade noch „befriedigend“. Wo ist der Verlag hin, der auch Spielehits wie „Raja“ oder „Mesopotamien“ veröffentlicht hat? Man möchte mit Cicero rufen „O tempora, o mores!” – “Oh Zeiten, oh Sitten!“

Name: Vor dem Wind

Autor: Torsten Landsvogt

Verlag : Phalanx Games

Erscheinungsjahr: 2007

Spieler: 2 – 4

Alter: ab 10 Jahren

Dauer: 75 Minuten

NOTE: 3 –

Neues Hintergrundbild

22. Juli 2007

Liebe Spielsüchtige,

endlich ist es soweit: der Spielsuchtblog hat ein offizielles Hintergrundbild!

Ich möchte nochmals meinem Freund Ron für das wirklich schön gewordene Bild ganz herzlich danken!

Eine neue Rezension wird es in der nächsten Zeit auch geben. Um welches Spiel es sich handelt, seht ihr, wenn es soweit ist 😉

Bis dahin schöne Grüße,

Doscho

Apache

16. Juli 2007

2007 ist ein absolutes Erfolgsjahr für den Verlag Abacus Spiele: mit dem Spiel „Zooloretto“ wurde der Verlag aus Dreieich erstmals mit dem Kritikerpreis „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet. Damit die anderen Neuerscheinungen des diesjährigen Spielejahrgangs nicht ins Hintertreffen geraten, möchte ich nun eine davon, nämlich Apache aus dem gleichen Verlag, vorstellen.

Spielmaterial bei Apache sind eine Tafel, die aufgrund der Tatsache, dass sie nur zu dem Zweck dient, Karten darauf abzulegen, m. E. etwas zu groß geraten ist und viele, viele Karten, insgesamt 134 Stück. 20 davon sind Handkarten in den 5 Spielerfarben. Sie zeigen eine Person des Indianerstamms und ihr dazu passendes Beutestück. So sammelt der Krieger beispielsweise Tomahawks, die Squaw Halsketten, usw. Die restlichen Karten, Präriekarten genannt, zeigen neben den erwähnten Beutestücken und Personen in den 5 Spielerfarben auch Tipis. Dazu später mehr.

Die Präriekarten werden als „ungeordneter Haufen“ (Zitat aus der Spielregel) um die Tafel verteilt, jeder Spieler nimmt sich 4 gleichfarbige Handkarten und es geht los. Reihum wird nun eine Karte aus dem Haufen aufgedeckt. Liegen Personenkarten seiner Farbe und dazu passende Beutekarten aus, darf der Spieler möglichst schnell die entsprechende Handkarte auf die Tafel legen und die entsprechenden Karten einsammeln. Alternativ gibt es noch die Möglichkeit, alle Tipis einzusammeln, das können sogar alle Personen. Aufmerksame Leser werden die Formulierung bereits bemerkt haben: DARF. Das heißt, der Spieler kann auch warten, bis mehr Beutekarten ausliegen, er läuft dann aber Gefahr, dass diese Beutekarten von einem anderen Spieler weggeschnappt werden. Wenn alle Karten entweder eingesackt wurden, oder offen ausliegen, gewinnt der Spieler, der am meisten Beute gemacht hat.

Apache ist ein Spiel mit zwei Seiten: in der richtigen Runde kann das Spiel eine Mordsgaudi bereiten, in der falschen ist entweder eine hohe Frustrationstoleranz ( bei Spielern mit unterschiedlichem Reaktionsvermögen ), oder Durchhaltevermögen ( es kann unter Umständen sehr lange dauern, bis ein Spieler Beute machen kann ) von Nöten. Über die eingangs erwähnte Tafelgröße kann man sich streiten, auch darüber, dass man von Stefan Dorra, dem Autor dieses Spieles, wohl andere Kost gewohnt ist. Wenn man jedoch die positiven Seiten gegen die negativen abwägt, ergibt sich ein „befriedigendes“ Spiel für zwischendurch.

Name: Apache

Autor: Stefan Dorra

Verlag: Abacus Spiele

Erscheinungsjahr: 2007

Spieler: 2 – 5

Alter: ab 8 Jahren

Dauer: 20 Minuten

 

NOTE: 3

Heckmeck am Bratwurmeck

13. Juli 2007

Reiner Knizia ist ein Autor, der sich bereits an vielen Brettspielgenres versucht hat. Seine Strategieperlen (AmunRe) sind genauso bekannt wie seine Taktikspiele (Einfach Genial), auch Kinderspiele ( Schatz der Drachen ) hat er geschaffen und bei der Bekanntgabe der Gewinner des Deutschen Spielepreises 2006 hat er dem verdutzten Publikum mitgeteilt, dass er nun in den Bereich der Geschicklichkeitsspiele einsteigen will. Mit „Heckmeck am Bratwurmeck“ hat Knizia ein weiteres Brettspielgenre betreten: Das Glücksspiel.

Spielmaterial bei „Heckmeck am Bratwurmeck“ sind 8 Würfel, die statt einer Sechs einen Bratwurm zeigen und 16 sogenannte „Bratwurmportionen“, das sind Spielsteine aus stabilem Material mit den Zahlen von 21 bis 36 und – ebenfalls durch Bratwürmer symbolisiert – den Werten von 1 bis 4. Ziel des Spieles ist es, möglichst viele und wertvolle Portionen zu ergattern. Dazu würfelt man mit den 8 Würfeln und legt alle Würfel einer Gruppe ( z.B. 5er ) raus, solange, bis man keine Würfel mehr zur Verfügung hat. Sollte ein Spieler keine vorrätige Zahl, keinen Wurm, oder bei seinem Wurf nur Zahlen würfeln, die er schon rausgelegt hat, hat er Pech gehabt. Er muss seine oberste Portion in die Auslage legen und die höchste ausliegende Portion umdrehen. Würfelt man hingegen eine Zahl zwischen 21 und 36, darf man die entsprechende Bratwurmportion an sich nehmen. Diese kann der Spieler entweder von der allgemeinen Auslage nehmen, oder auch von einem Spieler klauen, sofern er genau die Zahl würfelt, die beim gegnerischen Stapel obenauf liegt. Sobald keine Bratwurmportionen offen ausliegen, ist das Spiel beendet.

Heckmeck ist 100% Glück – wer also nur auf strategische Spiele mit entsprechender Tiefe aus ist, wird mit „Heckmeck am Bratwurmeck“ nicht viel anfangen können. Wer aber einem Spiel nicht abgetan ist, in dem nur der Würfel regiert und auch bei vielen Mitspielern „längere“ Wartezeiten verkraftet, der wird mit diesem lustigen Ärgerspiel für zwischendurch „gut“ bedient.

Name: Heckmeck am Bratwurmeck

Autor: Reiner Knizia

Verlag: Zoch

Erscheinungsjahr: 2005

Spieler: 2 – 7

Alter: ab 8 Jahren

Dauer: 20 – 30 Minuten

 

NOTE: 2

Herzlich willkommen…

13. Juli 2007

… auf „Spielsucht“, dem Blog für Gesellschaftsspiele aller Art. Hier werden in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen die neuesten Spiele aus der Brettspielwelt vorgestellt. Dabei unterscheide ich zwischen kurzen Spielen ( bis zu 45 Minuten ), mittellangen Spielen ( 45 – 90 Minuten ) und langen Spielen ( ab 90 Minuten ). Des weiteren werde ich die Spiele nach ihren Verlagen sortieren. Weitere Kategorien fallen mir momentan nicht ein. Ach ja, das Hintergrundbild bleibt natürlich nicht in dem einfachen Rot, da hab ich schon einen guten Internetfreund von mir darauf angesetzt. 😉

Den Anfang macht das Spiel „Heckmeck am Bratwurmeck“ aus dem Münchner Zochverlag. Weitere Rezensionen werden folgen.

Dann bleibt nur eines: Viel Spaß mit dem Spielsucht-Blog!

Schöne Grüße,

Doscho